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Fußball und Doping



Fußball: Doping-Affairen in Deutschland (BRD)



>>> Fußball: Doping in der DDR



wie gehabt...



DFB: Bekenntnis ohne Wenn und Aber:
"Gerade während der vergangenen Jahrzehnte wurde der Sport insgesamt, besonders aber der Radsport und die Leichtathletik, von immer neuen Doping-Skandalen erschüttert. Immer mehr Geld war zu gewinnen, immer stärker die Wirkung der Spritze – und immer häufiger erlagen auch Spitzensportler der Versuchung.

Der Fußball ist eine der wenigen Ausnahmen. Jährlich führt die FIFA weltweit über 20.000 Dopingkontrollen durch, wobei die Quote der positiven Proben bei rund einem halben Prozentpunkt liegt."

Theo Zwanziger, DFB-Präsident, stimmt in den allgemeinen wohlbekannten Refrain ein: So "ist der Fußball als Mannschaftssport nicht so anfällig, weil er komplexer ist als andere Sportarten, in denen es allein auf Ausdauer oder Sprintfähigkeit ankommt".... Er sei aber nicht so beunruhigt, weil die seit 1988 im deutschen Fußball praktizierten Dopingkontrollen relativ wenige Verstöße gezeigt hätten." (Focus, 18.6.2007)

 

Prof. Tim Meyer, DFB-Mediziner, sieht es vor der EM 2008 genauso: "Ich zähle den Fußball aber unter Dopinggesichtspunkten nicht zu den höchstgefährdeten Sportarten. Die leistungsbestimmenden Faktoren sind zahlreich und die sportliche Leistungsfähigkeit ist daher nicht ganz so leicht zu beeinflussen wie in einfacher strukturierten Sportarten. Selbst wenn man einen Fußballprofi ausdauernder oder schneller durch Doping machte, wäre das zwar ein Vorteil, der aber nicht so gravierend ins Gewicht fiele wie in reinen Ausdauer- und Schnellkraftsportarten. Beim Fußball fiele daher vermutlich eine Kosten-Nutzen-Abwägung für jemanden, der Doping in Erwägung zieht, nicht so toll aus. Kontrollen sind zwar nie perfekt, aber in einer zunehmenden Zahl vorhanden, so dass den Fußballprofis das Risiko des Karriereendes droht, wenn sie dopen. Der leistungssteigernde Effekt, den man erzielen kann, ist weitaus weniger gesichert als im Radsport, wenn man Epo nimmt. Ich sehe aber beim Fußball durchaus Gefahren im Umfeld von Profis - also da, wo der Vereinsarzt etwas gar nicht mitbekommt. Diese Gefahren werden natürlich noch gesteigert durch hohe Verdienstmöglichkeiten, einsatzabhängige Bezahlung und lange Rekonvaleszenzzeiten, in denen der Frust wächst. Da darf man nicht naiv sein." (FAZ, 24.5.2008)



Wilhelm Schänzer, Dopinganalytiker an der Sporthochschule Köln, sieht im Weltfußball und in der deutschen Szene ebenfalls wenig Grund zur Sorge. Ausschließen möchte er jedoch nichts. Zumal die verschiedenen Möglichkeiten der Leistungsbeeinflussung und der Manipulation im Fußball durchaus sinnvoll sein können. "Die Nationale Anti-Doping-Agentur stuft Fußball als eine Sportart mit mittlerem Dopingrisiko ein – anders als etwa Leichtathletik, Gewichtheben oder Schwimmen. Ein Fußballer kann durch Doping ja weder seine Technik noch das Mannschaftsspiel verbessern. Allerdings ist im Fußball auch eine optimale Kondition wichtig, genauso wie gute Kraft- und Schnellkraftwerte. Da kann der eine oder andere Kicker schon auf die Idee kommen, mit bestimmten Mitteln seine Leistung zu verbessern." (die Zeit, 5.3.2009)



WM 1954 verhängnisvolle Injektionen

Am 4. Juli 1954 wird deutsche Fußballgeschichte geschrieben, in der letzten Minute siegt die deutsche Elf und wird Weltmeister, das 'Wunder von Bern' ist geschehen, ein Mythos ist geboren.

Doch bereits 1954 tauchten Gerüchte auf, das deutsche Team hätte heimlich nachgeholfen. 1957 untermauerte der ungarische Kapitän Ferenc Puskas den schwelenden Verdacht und erzählte von Spritzen, die er in der deutschen Kabine gesehen habe und von seinem Dopingverdacht.

 

Amphetamine wurden nach dem Krieg im Leistungssport nicht selten eingesetzt, auch im Fußball waren sie europaweit im Einsatz (>>> einige Zitate). Der Verdacht war daher nicht unbegründet. Puskas Äußerungen stießen jedoch nicht auf viel Gehör, aber für eine Strafe reichte es: der DFB erteilte dem Ungarn in Deutschland Stadionverbot, das erst 1964 aufgehoben wurde. 2004 bestätigte der Berner Platzwart Walter Broennimann Puskas Aussage, 'er habe nach dem Finale beim Putzen leere Ampullen unter Wasserablaufgittern gefunden.' Er habe sie der Schweizer Lebensmittelfirma Wander zur Analyse gegeben und sei um absolutes Stillschweigen gebeten worden.

 

Das Setzen von Spritzen musste nach den Äußerungen Puskas 1957 zugegeben werden. Mannschaftsarzt Dr. Loogen habe auf Wunsch flüssigen Traubenzucker verabreicht. Loogen spricht 2004 von Vitamin C. Doch der Amphetamin-Verdacht hielt sich hartnäckig.

 

Die Spritzen hatten unabhängig von deren Inhalt schwere gesundheitliche Folgen. 8 Spieler der WM-Mannschaft, darunter Fritz Walter, Helmut Rahn, Heinz Kubsch und Max Morlock, erkrankten an Hepatitis, 5 der Spieler bereits 1954. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war daran eine infizierte Spritze schuld. Die Erkrankung wurde bereits 1954 öffentlich diskutiert, zumindest in Frankreich. Der 'Miroir-Sprint' berichtete darüber im November und stellte auch die Frage, ob die Deutschen gedopt gewesen seien. Dies wurde in demselben Artikel sogleich verneint, schließlich sei das im Fußball sinnlos. Im Januar 1955 wird in 'Sport-Sélection' erwähnt, dass die Gelbsucht auch in Deutschland mit Doping in Zusammenhang gebracht werde.

 

Die Mehrzahl der erkrankten Spieler traten gemeinsam eine Kur an und wurden geheilt. Richard Hermann vom FSV Frankfurt stellt sich keiner Untersuchung, er stirbt 8 Jahre nach der WM an einer Leberzirrhose. Als bekannt wird, dass Trainer Sepp Herberger sich um die Witwe und die Söhne des Spielers kümmerte, tritt der DFB auf den Plan und bittet ihn, das zu unterlassen, keine Aktion aus der Angelegenheit zu machen, damit kein Präzedenzfall geschaffen wird. Einige Jahre danach erhält die Familie vom DFB 3 000 DM. 1984 stirbt Werner Liebrich aus Kaiserslautern an Leberversagen, das auf eine Hepatitis C zurück zuführen ist. Laut Aussage des behandelnden Arztes kommt für die Infektion nur die Zeit um die WM 1954 infrage. Die zum Zeitpunkt des Todes veröffentlichte Todesursache lautete jedoch zuerst Herzversagen, erst lange später wurde die Wahrheit bekannt. (ZDF-History, Die Geheimnisse des deutschen Fuballs, 30.5.2010)

 

Ein Beweis für Doping mit Amphetaminen liegt bis heute nicht vor. Als 2004 in einer Sendung des ARD-Magazins "Report" die Geschichte vorgestellt wurde, hagelte es Dementis und auch viele Kommentare taten sich schwer damit, 'das Wunder von Bern' zu hinterfragen. Eine infizierte Spritze war nicht zu leugnen, aber mit Amphetaminen? (RP-online, 31.3.2004) DFB-Präsident Gerhard Meyer-Vorfelder schäumte: "Man kann kein Jubiläum feiern, ohne dass negative Sachen ausgegraben werden. Ich gehe davon aus, dass alles rechtens war."



der Einsatz von Captagon

Captagon (Fenetyllin) ist ein Amphetaminderivat, das auch zum Dopen verwandt wurde. Vor allem im europäischen Fußball scheint das Stimulanz häufig eingesetzt worden zu sein. Im Juni 2007 erklärte der frühere Bundesligatrainer Peter Neururer in der Sport Bild, dass Ende der 80er Jahre Captagon weit verbreitet gewesen sei. ""Es ist mir bekannt, dass früher Captagon genommen worden ist. Viele Spieler waren verrückt danach", sagte Neururer der Sport Bild: "Das war überall bekannt und wurde praktiziert. Bis zu 50 Prozent haben das konsumiert. Nicht nur in der zweiten Liga.""" Schnell wurde dementiert, Doping im Fußball sei sinnlos. Doch Neururer blieb dabei: ""Man sieht den Spielern den Konsum von Captagon an. Die Augen stehen anders. Der Spieler wird nicht mehr müde und neigt auf dem Platz zu Überreaktionen. Das war ein kompletter Wahnsinn, der da gemacht wurde." Auch Ephedrine seien zum Einsatz gekommen. (SZ, 13.6.2007)

 

Weitere Spieler meldeten sich. Nationaltorhüter Jens Lehmann konnte sich erinnern, Ex-Profi Günter Schlipper, Schalke 04, gab ihm recht und auch die Trainer Benno Möhlmann und Hans-Werner Moors stellten sich hinter Neururer. Schon in den 70er Jahren kam Captagon zum Einsatz. Moors erzählte selbst das Mittel eingenommen zu haben. "„Das wurde uns damals zum Teil von offizieller Stelle als Multivitamin-Pille angeboten. Auch von Trainer Rudi Faßnacht, das ist kein Geheimnis“, sagte Moors, der zwischen 1974 und 1980 für Münster und Arminia Bielefeld 154 Zweitliga-Spiele sowie für Bielefeld 34 Bundesliga-Partien bestritt: „Es hieß: Probiert das mal, ihr braucht Vitamine. Es wird aus der damaligen Zeit viele, viele Spieler geben, die es probiert haben, ohne dass man von systematischem Doping sprechen kann. Denn die Spieler haben schnell gemerkt, dass es ihnen nichts bringt.“ Laut Möhlmann sei Captagon überall Thema gewesen, doch wäre eher von Spielern genommen worden, die nicht so gut gewesen seien und vor einem Spiel eine Nacht durchgemacht hätten. Ende der 80er Jahre sei die Substanz nicht mehr aktuell gewesen. (die Welt, 15.6.2007)

 

Uwe Nester berichtete, dass auch bei Eintracht Braunschweig gedopt wurde. Trainer Uli Maslo habe ihm 1980 gedrängt, sich Spritzen mit Captagon geben zu lassen. Nester erhielt Unterstützung: "Die Teamärzte des heutigen Regionalliga-Klubs bestätigen, dass die Einnahme des Wachmachers wie offensichtlich bei vielen Fußballvereinen früher auch bei Eintracht Braunschweig gang und gäbe war. "Captagon hat damals fast jeder genommen, der ein bisschen müde war", sagt Dr. Peter Harms, der in den 70er- und 80er-Jahren für die Blau-Gelben zuständig war. Darüber sei auch offen gesprochen worden. Kollege Dr. Jürgen Stumm, der seit den 80er-Jahren die Fußballer betreut, redet nicht drumherum: "Es gab Spieler bei uns, die Captagon genommen haben." (newsclick, 18.6.2007)

 

DFB-Chefmediziner Professor Wilfried Kindermann hingegen forderte Konsequenzen für Trainer Neururer, sollte er Behauptungen aufgestellt haben, die er nicht beweisen könne. (Reviersport, 15.6.2007, der Spiegel, 16.6.2007)

 

Bekannt sollte dies aber alles schon gewesen sein. Bereits 1970 und 1994 wurde in der Presse über den Einsatz von Captagon im Fußball berichtet. Auch Toni Schumacher (s.u.) hatte schon seine Erfahrungen beschrieben. 1994 ließ der Focus den ehemaligen Bundesligaspieler Peter Geyer (Tennis Borussia Berlin, Borussia Dortmund, Eintracht Braunschweig) zu Wort kommen. Bereits mit 19 Jahren sei er mit Captagon in Berührung gekommen und habe es jahrelang regelmäßig konsumiert. "Peter Geyer zufolge lagen die Pillen nur so rum. Man ging an den Schrank und bediente sich. Ärzte und Masseure hätten die Pillen besorgt. Er habe ein bis zwei vor jedem Spiel genommen, andere sechs bis acht, eine Dosis, die beängstigend ist. In den sogenannten englischen Wochen, wenn zwei Begegnungen auf dem Programm stehen, habe es Probleme gegeben, weil die Spieler nach der Einnahme von Captagon zwei Nächte nicht richtig schlafen konnten. Dann fiel die Leistung in den Keller." Dr. Armin Langhorst, bis 1989 Arzt bei Borussia Dortmund, ergänzte, dass der für Borussia spielende Sergej Gorlukowitsch die Dopingmittel aus Rußland mit nach Deutschland gebracht hätte und die Ware bei den Teamkameraden des Weißrussen heiß begeht gewesen sei. (Focus, 21.2.1994, s.a.u.)

 

Und 1970 hatte Dr. Dirk Clasing behauptet, "die meisten deutschen Fußball-Lizenz- und Vertragsspieler nähmen zur Steigerung ihrer Leistung Dopingmittel wie Captagon und Dradol." (Hamburger Abendblatt, 20.10.1070) Dafür bekam er allerdings heftige Kritik zu hören. "Der Münsteraner Arzt ist bis jetzt die Beweise für seine massiven Vorwürfe schuldig geblieben und vertritt dafür die merkwürdige These, 'die Beweislast liege.bei den Bundesligavereinen. Kein Wunder, daß dort die Entrüstung „total" ist. Dr. Gösmann, Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Rechtsanwalt in Osnabrück, hat Dr. Ciasing bereits ein Gerichtsverfahren wegen Verleumdung angedroht, über das in dieser Woche mit dem Vorstand des Bundesligaausschusses sowie Helmut Schön, Professor Dr. Schoberth, Ordinarius für Orthopädie und ärztlicher Betreuer der Nationalmannschaft und DFB-Masseur Erich Deuser beraten werden soll. ... Aber auch aus den Reihen der Kollegen Dr. Clasings kam mehr Tadel als Unterstützung, denn es fehlt vorläufig nicht, nur an Beweisen, sondern das Beispiel Fußball war als Zielscheibe für Dopingvergehen recht unglücklich gewählt. Nicht, weil die Fußballer Engel wären und aus moralischer Überzeugung nur himmlischen Nektar, aber beileibe keine aufputschenden Drogen zu sich nähmen, sondern deshalb, weil sich das Fußballspiel nach seiner ganzen Belastungsart mit vielen Intervallen und infolge seiner ständig wechselnden Szenerie, die eine ständig wechselnde Beanspruchung der Sinnesorgane und des Nervensystems bedingt, für Doping relativ schlecht eignet." (die Zeit, 30.10.1970)



1987 Toni Schumacher packt aus



Toni Schumacher, 17.6.2010:
"Herr Schumacher, Sie waren der Erste, der freimütig bekannte, gedopt zu haben. Warum sind Sie damit an die Öffentlichkeit gegangen?
Es gab bei uns Amateurspieler, die auf dem Spielfeld tot umfielen, dann hieß es: Herzversagen. Aber da war mehr. Ich dachte, das darf nicht wahr sein! Was geht hier vor sich? Das war meine Motivation, das Buch zu schreiben."

FAZ, 17.6.2007:
"Schumacher ... nannte zwar keine Namen. Aber für den DFB wäre es nicht schwer gewesen, die „wandelnde Apotheke“ aus München, einen Nationalspieler mit medizinischen Kenntnissen und dem Hang zu Selbstversuchen, zu identifizieren. Und damit weitere Mechanismen des Dopings im Fußball zu erkennen und entsprechend zu handeln. Nach hartem Ringen gibt es inzwischen Wettkampf- und Trainingskontrollen in der Bundesliga."

Paul Breitner, 1.6.2007:
"Der Fußballer, der glaubt, er könne mit Doping dafür sorgen, dass er seinen Stammplatz behält, dass er zu einem Sieg beiträgt oder mehr Kohle verdient – warum soll der nicht Doping nehmen? Die Motivation zu dopen ist beim Fußballer genauso groß wie beim Radfahrer.“ ... „Ich habe genügend Spiele mitgemacht, in denen ich Spieler vor mir hatte, denen der Schaum aus dem Mund gelaufen ist. Die haben gar nicht geradeaus schauen können, die haben ums Eck geschaut.“

1987 erscheint Toni Schumachers Buch 'Anpfiff - Enthüllungen über den deutschen Fußball'. Darin schildert er die ärztliche Versorgung der Nationalmannschaft 1986 in Mexico. Er spricht von einer ärztlichen Überversorgung mit Nebenwirkungen wie Durchfall. "Jeden Mittag schluckten wir zu unserem Elekrtrolytgesöff haufenweise Tabletten: Eisen, Magnesium, Vitamin B in Höchstdosis, Vitamin E, ein paar Hormönchen für die Höhenanpassung..." ... "Außer den Pillen hagelte es Spritzen. Professor Liesen (mehr Info) selbst hat davon 3 000 gespritzt. Da war alles mögliche drin: Pflanzenextrakte zur Stärkung des körpereigenen Abwehrsystems, die Vitamine C und B 12 in hohen Dosen, Bienenhonigextrakt, um Herz und Kreislauf zu stützen, Kälberblutextrakt gegen die Folgen der Höhenluft. Und dazu noch Vitamin-E-Tabletten. ... Die vermaledeite Schlaftablettenschluckerei lehnte ich noch energischer ab."

 

"Auch in der Fußballwelt gibt es Doping - natürlich totgeschwiegen, klammheimlich, ein Tabu." Beliebt seien Hustensäfte mit Ephedrin gewesen und Captagon. Schumacher gesteht 1984 nach der EM in Paris das Aufputschmittel während des Trainings ausprobiert zu haben. Die Wirkung sei ihm von Ärzten beschrieben worden, er wollte aber wissen, wieweit er seine Leistungsgrenze hinaus schieben, wie lange er sich überfordern könnte.

 

Er beschreibt sich nicht als Einzelfall. "Der Vorstand sprach wieder mal von einem 'Schicksalsspiel', wieder einmal ging es angeblich um das Überleben eines Vereins. Einige Kölner Mitspieler probierten das Zeug aus. Querbeet und wahllos schluckten wir Hustensäfte, die die höchsten Dosen an Ephedrin enthalten. Die saftgestärkten Kollegen flitzten wie Teufel über den Rasen. Wir haben gewonnen, aber in welchem Zustand. Nach tagelanger, qualvoller Erschöpfung beschlossen wir: nie wieder!

Meiner Kölner Freunde und ich sind aber absolut nicht die einzigen, die der Dopingversuchung nicht widerstehen konnten. In der Bundesliga hat Doping seit langem Tradition.

Als ganz junger Spieler war ich früher "Chauffeur" vieler bewährter Fußballstars des 1. FC. Mit meinem kleinen R 5 habe ich oft ein halbes Dutzend unserer großen Spieler zu einem Kölner Arzt gebracht. Bei dem holten sie sich vor wichtigen Spielen ihre Pillen und Spritzen. ... Einige von ihnen konnten sich ohne diese Spezial-Hochform-Pillen eine Fortsetzung ihrer Karriere gar nicht mehr vorstellen. Pillen und Leistung - das war für sie zu einer Gleichung geworden, die aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken war.

 

Ein wichtiges Detail: Dieser Arzt betreute berühmte Sportler zu einem Zeitpunkt, als Doping Schlagzeilen machte [1976/1977]. Ich nehme an, daß zu diesen Spezialmixturen Anabolika, Amphetamine und diverse andere Aufputschmittel gehörten. Damals wie heute.

Es gab Nationalspieler, die waren im Umgang mit der "Stärkungschemie" regelrecht Weltmeister. Unter ihnen ein Münchener Spieler, den wir als "wandelnde Apotheke" zu bezeichnen pflegten." (Schumacher, Anpfiff, S. 109ff)

 

Toni Schumacher wurde nach diesen Enthüllungen aus der Nationalmannschaft entlassen und der 1. FC Köln löste den Vertrag auf.

 

Der DFB führte danach Wettkampfkontrollen ein. Doch bereits 1972 soll Prof. Hans Schoberth, Mannschaftsarzt des DFB, für das Spieljahr 1973/74 die Einführung von Kontrollen in der Bundesliga gefordert haben.

 

Toni Schuhmacher spricht von bekannten Sportärzten, die Fußballer betreuten. Einige der berühmtesten und beliebtesten deutschen Sportärzte zählten zu ihren Klienten Sportler aus den verschiedensten Sparten, auch aus dem Fußball. Einige dieser Mediziner werden heute mit Doping in Verbindung gebracht ebenso wie ganze Sportarten und viele Sportler. Erstaunlicherweise sind darunter aber keine Fußballer zu finden. Ist das glaubhaft? Beispiele sind hier nachzulesen: Der Freitag, 9.6.2010: Bringt im Fußball nichts, Der Doc sagt du und hört zu



Experiment Bluttransfusionen



Jiri Dvorak, FIFA, 4.7.2006:
"Rational wäre Eigenblut-Doping im Fußball nicht begreifbar"...Im Fußball sei Blutdoping allein schon aus organisatorischen Gründen nur sehr schwer durchführbar. "Wenn ich nur die vier WM-Halbfinalisten sehe, sagt mir mein gesunder Menschenverstand, daß es technisch nicht machbar ist", erklärte Dvorak. Für Fußballer, die 49 Wochen im Jahr von Spiel zu Spiel eilten, sei das ebenso aufwendige wie gefährliche Eigenblutdoping gar nicht praktikabel."

In den 70er Jahren waren Eigen- und Fremdbluttransfusionen noch nicht verboten, doch es wurde schon länger damit experimentiert. (mehr C4F-Infos). Ziel im Sport war eindeutig die Leistungsverbesserung. 1977 während der Sachverständigen-Anhörung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages wurden diese Transfusionen diskutiert. Man sprach von Eigenblutinjektionen, Eigenblutrücktransfusionen, von Blutdoping. DFB-Mediziner Prof. Hollmann: "Bezüglich der Eigenblutrücktransfusion nimmt man dem betreffenden Sportler etwa 1 bis 1-2 Liter Blut ab, läßt ihn anschließend ca. vier Wlochen weitertrainieren, dann hat sich das Blut regeneriert, dann wird ihm ein Konzentrat des abgenommenen Blutes in Form der roten Blutkörperchen zurückinfundiert, woran anschließend bei durchschnittlich leistungsfähigen Menschen die Spitzenleistungsfähigkeit im Schnitt um annähernd 10 Prozent steigt, die submaximale Ausdauerleistungsfähigkeit etwas über 20 Prozent. Die Werte liegen entsprechend wesentlich niedriger bei Spitzensportlern. Sicherlich sind sie aber in der Lage, über die Reihenfolge bei vorderen Plätzen zu entscheiden. (Abg. Schirmer (SPD): Ist das nachprüfbar?) - Ja, wir haben das sehr eingehend untersucht, aber nachweisbar, ob das gemacht wurde, ist es nicht." (S. 6/123)



Franz Beckenbauer

Diese Methode der Leistungssteigerung war zu jener Zeit bei Radsportlern, Leichtathleten und wohl auch bei Fußballern nicht unbekannt, sofern Franz Beckenbauer und Jupp Kapellmann keine Ausnahmen waren. Beckenbauer hat 1977 dem Magazin Stern gegenüber zugegeben, damit auf Top-Niveau zu bleiben. "In München beschränken wir uns im Wesentlichen auf natürliche Methoden. Doch was mich persönlich betrifft, habe ich eine besondere Methode, um auf Top-Niveau: die Injektion mit meinem eigenen Blut. Mehrmals im Monat entnimmt mir mein Freund Manfred Köhnlechner aus dem Arm Blut, das er mir wieder in den Hintern spritzt. Damit wird eine künstliche Entzündung hervorgerufen. Damit erhöhen sich weißen und roten Blutkörperchen sowie die Widerstandskräfte des Organismus." (zitiert nach l'Équipe, 21.5.1977)

Thomas Kistner zitiert den deutschen Topspieler noch weitergehend: "»Medizinisch ist heute in der Bundesliga praktisch noch alles erlaubt, was den Spieler zu Höchst- und Dauerleistung treibt. Es wird gespritzt und geschluckt … Natürlich wäre es unsinnig, vor jedem Spiel zu dopen. Der folgende Leistungsabfall ist viel zu groß. Aber was machen Trainer und Manager vor entscheidenden Spielen, etwa im Europacup, wo es um Millionen geht – wenn man glaubt, dass die anderen nicht nur Vitaminpillen schlucken? … Es ist längst an der Zeit, dass sich der Internationale Fußballbund nicht nur bei der Weltmeisterschaft um das Problem Doping kümmert .« (Kistner, 24.8.2007)



Hans-Josef 'Jupp' Kapellmann

Hans-Josef „Jupp“ Kapellmann, aktiv bis 1981, wird am 3.11.1987 in der französischen Zeitschrift 'But' zu Doping zitiert. Er soll der von Toni Schumacher erwähnte experimentierfreudige Spieler gewesen sein. Kapellmann gibt die Anwendung von Bluttransfusionen und von anabolen Steroide zu. Er schätzte, dass sich ca. 18% der (Profi)Fußballpieler in Deutschland und sonstwo auf der Welt regelmäßig dopen. "Ich selbst praktizierte 'Blutdoping'. Für mich ist das aber kein Doping. Das ist mein Blut, allein mein Blut ohne sonstige Zusätze. Und überhaupt, das sage ich als Mediziner [Kapellmann ist Orthopäde], ich mache mit meinem Körper was ich will!... Der Spieler hatte sich an den Arzt um Hilfe gewandt. Ich war oft verwundet, zu Beginn des Winters oft erkältet. Mit Hilfe eines Freundes, Mediziner wie ich, der das selbst schon versucht hatte, wollte ich meine Widerstandskräfte erhöhen.. Und wahrhaftig, ich habe es so empfunden... ich war nicht mehr so anfällig wie früher! Ich bin nicht gegen Anabolika, wenn die Verletzung schwer ist. Das ist Therapie und die Anabolika sind hilfreich. Besonders für Sportler, denn sie verkürzen die Zeit der Heilung. Ich habe übrigens welche genommen, wenn ich verletzt war." (De Mondenard, Dictionnaire, S. 1117)



1992 Prolintan - erster Dopingfall im DFB?

1994 wird in der „Jahresstatistik 1993 des Beauftragten für Doping-Analytik" von Manfred Donike, Kölner Instituts für Biochemie, ein positiver Fall im deutschen Fußball erwähnt, der bereits im Jahr 1992 mit der A-Probe nachgewiesen worden war. Es handelte sich um das Stimulanz Prolintan. Auf Nachfrage des Magazins Focus zeigte man sich beim DFB überrascht, von einem Dopingfall wisse man nichts. Laut Donike sei der Befund der positiven A-Probe umgehend an den DFB gemeldet worden, dieser habe keine B-Probe verlangt, somit sei das Analyseergebnis von Seiten des Verbands anerkannt worden. (Focus, 7.2.1994)

Wenig später wird bekannt, dass der betroffene Spieler Thomas Möller von Eintracht Braunschweig war, positiv getestet wurde dieser am 26. September 1992 nach dem Spiel gegen den SC Freiburg. Eintracht-Präsident Harald Tenzer bestätigte dies.

Der Spieler hatte vor dem Spiel wegen einer Gehirnerschütterung das Medikament Katovit (Prolintan) und ein Mittel mit der verbotenen Substanz Etilefrin (Dihydergot) zur Kreislaufstabilisierung eingenommen. Mannschaftsarzt Jürgen Stumm erklärte, dies vor dem Spiel dem Dopingkontrolleur DFB-Arzt Eike van Alste mitgeteilt zu haben. (Focus, 28.2.1994)

 

Die Nichtberücksichtigung der positiven Probe wurde seitens des DFB mit 'Kommunikationsstörungen' zwischen DFB und Donike erklärt. Manfred Donike habe "die beanstandete Probe nur „als Nachsatz in einem allgemeingehaltenen Bericht“ weitergeleitet" - was Donike bestritt. (Focus, 14.2.1994)

 

Der DFB sah keinen Anlass für weitere Schritte, da die Eintracht das Spiel verloren habe, "eine Frage der Spielwertung stellt sich damit nicht", erklärte DFBPressesprecher Wolfgang Niersbach." (dpa, 8.2.1994, Anm. zur dpa-Meldung: die Nichtanforderung der B-Probe war kein Verfahrensfehler sondern bedeutet Anerkennung der A-Probe)



1992 Clenbuterol-Einsatz beim VFB-Stuttgart?
Diskussion um Anabolika-Freigabe

Das Kälbermastmittel Clenbuterol war seit Juli 1992 in aller Munde. Die Sprinterinnen Katrin Krabbe, Grit Breuer und Manuela Derr waren darauf positiv getestet worden. Bekannt war, dass die Substanz, enthalten in Asthmamitteln, aufgrund seiner anabolen Wirkung als Dopingmittel geeignet war. Die Affaire um die Sprinterinnen, kurz Krabbe-Affaire genannt, schlug hohe Wellen und zog sich jahrelang hin. Das Problem war, dass das Mittel nicht auf der Dopingliste stand, aber Insidern als Dopingmittel bekannt war und auch von vielen, darunter auch dem DLV als Dopingmittel angesehen wurde. (>>> Mehr zur Krabbe-Affaire und Trainer Springstein)

Nach Bekanntwerden der positiven Proben der Läuferinnen bekannte Christoph Daum, Trainer des VFB Stuttgart, offen, dass Clenbuterol beim VFB zur Rehabilitation von verletzten Sportlern eingesetzt wurde. Das habe aber mit Doping nichts zu tun (FR, 14.8.1992).

Schnell wurde dementiert, auch Daum nahm seine Äußerungen zurück. Es wäre kein Clenbuterol im Einsatz, und gedopt werde auf gar keinen Fall.

 

Während die Wogen noch nicht geglättet waren, preschte VFB-Präsident Mayer-Vorfelder (zugleich Kultusminister von Baden-Württemberg und Vorsitzender des Spielausschusses des DFB) vor und forderte einen geregelten Einsatz von Anabolika. "Darf ein langzeitverletzter Spieler in der Rehabilitation seine körperliche Leistungsfähigkeit, die durch üblichen, bei Verletzungen normalen Muskelschwund beeinträchtigt wird, auch mit anabolen Präparaten wieder aufbauen, die auf der Dopingliste stehen, wenn er sie vor Beginn der Trainingsphase absetzt, so daß kein Wettbewerbsvorteil entsteht?" "Für einen verletzten Spieler können keine anderen Maßstäbe gelten wie für den Nichtsportler." Offen blieben dabei die Fragen, wann die Rehabilitationszeit beendet ist, wer das bestimmt und wie zu bewerten ist, das Anabolika nur in Verbindung mit Training die gewünschte Muskelkaft hervorbringen. Meyer-Vorfelder stellte sich damit hinter einige Sportmediziner, insbesondere hinter >>> Armin Klümper, der z. B. für die Spieler des VFB Stuttgart und des SC Freiburg Ablaufstelle war. Klümper hatte zugegeben, Anabolika bei Verletzungen einzusetzen und meinte, dass seine von ihm behandelten Spieler z. B. bei einem Muskelfaserriss nur acht Tage aussetzen müssten. "Die lachen nur darüber, daß andernorts deshalb acht Wochen und länger pausiert werden muß."

Die Diskussion um Doping im Fußball war wieder (für kurze Zeit) entbrannt. Josef-Otto Freudenreich schreibt in der Stuttgarter Zeitung: "Doch allen Beteuerungen zum Trotz und der gebetsmühlenhaft vorgetragenen (falschen) Erkenntnis, daß Doping im Fußball nichts bringe, wird nach Meinung von Szene-Kennern eben auch im Spielbetrieb manipuliert, was die Knochen halten." Er zitiert Klaus Steinbach, Chefarzt einer Rega-Klinik und einst Mannschaftsarzt des FC Homburg: "Es stinkt zum Himmel, wenn im Fußball behauptet wird, es werde nicht gedopt." Er erinnert sich "wie die Spieler zu mir gekommen sind und gesagt haben: Doc, ich brauch' was Starkes." "Ich setz mich auf keine Bundesligabank mehr, das kann ich mit meinem ärztlichen Eid nicht vereinbaren."

 

Als 'Alibikontrollen' bezeichnete Steinbach die durchgeführten Dopingtests. Per Zufallsprinzip bestimmt eine dreiköpfige Doping-Kommission, bei welchen Spielen kontrolliert wird. In der Saison 1991/1992 waren dies 5 %, dabei wurden aus jedem Team zwei Spieler ausgewählt. Insgesamt wurden so 188 oder 1,7 % getestet.

Die Stuttgarter Zeitung meint dazu ergänzend: "Mit der Realität haben sie wenig bis nichts zu tun. Beispielsweise mit der Wirklichkeit jenes 14jährigen Jugendauswahlspielers, der vor wenigen Monaten bei einem Lehrgang an einer Münchner Sportschule aufgefallen war. Er könne nicht mithalten, hat er dem Trainer gestanden, weil ihm seine Tabletten ausgegangen seien. Der Sportmediziner Hans-Ulrich Jelitto hat sich die leere Schachtel angeschaut. Anabolika waren da einst drin." (Stuttgarter Zeitung, August 1992)



1994 Manfred Ommer, ein Gespräch mit Bobby, 19 Jahre uvm.

Am 21. Februar 1994 erschien im Focus von Edwin Klein ein langer Bericht über Doping im Fußball. Es handelte sich um Auszüge seines Buches 'Rote Karte für den DFB'.

Veröffentlicht werden Passagen eines Interviews mit einem 19jährigen Fußballspieler, der einen Vertrag mit einem Bundesligaclub unterzeichnet hat. Er bleibt anonym, nennt sich Bobby.

 

„Sie haben gesagt, daß Sie bereits mit dreizehn oder vierzehn mit Doping in Berührung gekommen sind.“

Bobby nickt. „Auf der Schule. Ich habe ein Gymnasium besucht. Nach der mittleren Refe war Schluß.“

 

„Was waren das für Substanzen?“ ...

Bobby: „Anmacher, also Zeug, das dich auf Touren bringt. Haben wir uns auf Partys reingeworfen.“

 

„Nehmen Sie immer noch Doping?“ ...

Bobby: „Ich kenne niemanden, der nicht in irgendeiner Form etwas nimmt. Viele Anabolika. Aber etliche der Spieler sind vorsichtig geworden. Die Muskulatur kann zu fest werden. So wie bei einem Torwart aus Köln. Fehlt die Geschmeidigkeit, dann nützt auch die Muskelmasse nichts.“

...

Ich habe mit einem Arzt gesprochen und mich beraten lassen.“

...

„Und was hat der gesagt?“

Bobby: „Du mußt wissen, was du willst. Da du dich dazu entschieden hast, ist es besser, wenn ich dir helfe, als daß du das Zeug wie wild reinwirfst. Also nicht mehr als drei Tabletten pro Tag. Einen Monat lang. Dann zwei Wochen Pause und wieder einen Monat. Dezember nichts, Januar drei am Tag, Mai und Juni nichts.“ ... „Jetzt Primobolan. Anfangs Nerobol (ein ungarisches Anabolikum).“

Neben den Anabolen Steroiden nehmen er und alle, mit denen er zu tun hat, noch Aufputschmittel.

 

Weiter zitiert Klein Manfred Ommer. Der Präsident des FC Homburg und ehemaliger Leichtathlet, der immer sein Doping während seiner aktiven Sportlerzeit zugab, schätzt, dass in beiden Fußballligen ca. 50% der Spieler gedopt sind. "Nun kommt es aber im Fußball noch zu einer besonderen Form von Doping, wie man sie in anderen Sportarten nicht kennt. Spieler gehen hin und nehmen während des Trainings Aufputschmittel, um mit Leistung zu glänzen, weil davon wiederum die Aufstellung für die Begegnung am Wochenende abhängt. Der Trainer sieht, wie gut der Betreffende ist, und setzt ihn auch ein. Dann die Partie, und niemand kann die Entscheidung des Trainers verstehen, denn der Profi läuft herum wie „Falschgeld“. In den Tagen zuvor hat er Muntermacher geschluckt, als Folge kann er in den beiden letzten Nächten nicht schlafen „und ist platt wie eine Briefmarke“, wie Ommer, Homburg, sich ausdrückt."

 

Ommer erzählt einiges aus dem Nähkästchen. So auch wie ein gedopter Spieler vor einer eine Urinkontrolle bewahrt werden kann: "Ich begrüße den Doc und frage: Na, Doc, wie geht´s? Alles in Ordnung, antwortet der und will dann von sich aus wissen: Wen nehmen wir denn heute raus aus der Mannschaft? Das ist ein Weg. Oder bevor ein gedopter Spieler ausgelost werden könnte, spricht unser Doc mit dem DFB-Doc und erklärt ihm, ein bestimmtes Medikament sei unbedingt im therapeutischen Sinne erforderlich gewesen. Dann nehmen wir einfach die betreffende Rückennummer aus dem Pott. So einfach ist das.“"

Erzählt werden noch weitere Fälle von Medikamentenmissbrauch und die Umgehung von Kontrollen:

>>> Focus, 21.2.1994: DER ANKLÄGER, Die gedopte Liga

 

Der DFB erwirkte gegen einige Passagen dieser Veröffentlichung eine einstweilige Verfügung. "Er darf nicht wiederholen, daß der vom DFB beauftragte Arzt Dr. Ernst Leutheusser bei der Auslosung der für die Dopingtests vorgesehenen Spieler bei einem Zweitligaspiel des FC Homburg manipuliert habe. Zudem muß der Autor die Behauptung unterlassen, daß im September 1992 auf einer ärztlichen Bescheinigung des FC Homburg, die an den DFB adressiert war, hinter dem Namen Thomale das aufputschende Mittel Captagon aufgeführt worden war." Gegen viel weitere Behauptungen wolle der DFB noch vorgehen. Zudem bestritt der frühere Bundesliga-Trainer Rudi Faßnacht die Darstellung von Klein, "er habe seine Spieler zur Einnahme von Captagon aufgefordert. Faßnacht bestätigte aber Captagon-Genuß in der Bundesliga. "Captagon war in den siebziger Jahren bei den Profis die Modetablette. Überall, wo ich gearbeitet habe, war das Zeug im Umlauf", sagte Faßnacht der Kölner Tageszeitung "Express"." (dpa, 4.3.1994)



1.1.1995 erste Trainingskontrollen

Eines hatte diese Veröffentlichung jedoch bewirkt, der deutsche Fußballverband und seine Funktionäre sahen sich gezwungen sich der Frage einer Intensivierung des Kontrollsystems zu stellen. Zwar wurde allseits behauptet, einschließlich Manfred Donike, Fußball sei keine dopingintensive Sportart, doch eine Verweigerung von Trainingskontrollen war nicht mehr opportun. Ab dem 1.1.1995 konnten in der ersten und zweiten Liga 'stichprobenartig' Trainingskontrollen durchgeführt werden. ""Wir wollen uns dem allgemeinen Trend nicht verschließen und ein eindeutiges Bekenntnis ablegen: Doping darf nicht sein im Sport", erklärte DFB-Präsident Egidius Braun zur Verschärfung der Kontrollen." (sid, 24.10.1994) Anfang 1993 bezeichnete DFB-Pressesprecher Wolfgang Niersbach Trainingskontrollen noch für wenig sinnvoll. "Im Training machen auch Spieler erste Gehversuche, die nach Verletzungen entsprechend behandelt werden und noch krankgeschrieben sind." (FAZ, 26.1.1993) Vielleicht wurde der Sinneswandel etwas angestoßen durch den Dopingfall Diego Maradona, der in der Endrunde der WM 1994 mit einem positiven Test auf Ephedrin weltweit für großen Wirbel gesorgt hatte.



die einzelnen Themenseiten des Dossiers:

Dossier: Fußball und Doping
Fußball und Doping: Deutschland (BRD)
Fußball und Doping: Deutschland (DDR)
Fußball und Doping: Frankreich
Fußball und Doping: Italien
Italien: de Mondenard: ALS
Fußball und Doping: Spanien - Operacion puerto
Fußball und Doping: Dopingfälle
Fußball und Doping: Lesestoff


 

Maki, Juni 2010


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